Mein Leben begann in Wuppertal, nicht in einem der berüchtigten frühindustriellen Viertel, wo meine Familie in einer halb vergessenen ehemaligen Fabrik gelebt hat, sondern im sehr schönen Elberfelder Zooviertel.
Dadurch verlief meine Kindheit eher unbeschwert, begleitet vom ständigen Ruf der Seehunde, die ihr Gehege glücklicherweise an der Ecke hatten, an der unsere Wohnung lag.
Erste Tragödien waren unscheinbare Dinge wie der Tod des Familienhundes.
Auf den Kopf gestellt wurde dieses Leben so richtig durch die plötzliche Trennung meiner Eltern.
Darauf folgten viele, viele Umzüge und jede Menge Schulwechsel.
Mit Ach und Krach war nach dem Abstieg vom Gymnasium zur Realschule dann noch ein Abschluss mit Berechtigung zum Besuch eines Gymnasiums zu machen.
Die Freuden des Wirtschaftsgymnasiums erreichten mich nicht, sodass ich entschied, Selbstdisziplin zu erlernen.
Der beste Ort dafür war in meiner Weltvorstellung ausgerechnet die Bundeswehr. Aus neun Monaten streng geheim Schlagbäume im Wald bewachen wurden dann 23 Monate ernsthafter Dienst. Afghanistan Tour all inclusive.
Im Sommer 2011 verbrachte ich deswegen 5 ½ Monate in Mazar e-Sharif und war Teil der dortigen Force Protection der Luftwaffe, als Designate Marksman Rifle mit dem treuen und dem Staub zuverlässig trotzenden G3.
Gerne erinnere ich mich daran zurück, dass die G36 meiner Kameraden sich von semi-automatisch zu Repetiergewehren verwandelten, während mein gutes altes Arbeitspferd sich stur wieder vom Dreck freischoss.
Eine letzte Anekdote aus der Zeit: Wann immer mein Gruppenführer seinen Blick auf einen erhöhten Punkt richtete, konnte ich sicher sein, dieses Haus oder diesen Hügel kurz darauf im Schweiße meines Angesichts zu erklimmen.
Die Bundeswehr überlebt, gerade so, galt es das Abitur nachzuholen!
Was wird der tapfere Krieger nach dem Militär? Pädagoge, richtig!
Nach drei wirklich langen Jahren als 21-jähriger Afghanistan-Veteran in einer Schulklasse mit teils 16-jährigen hatte ich dann auch das Abitur in der Tasche.
Schwerpunkt Erziehung und Pädagogik in NRW, der besondere Vorteil? Mathematik ist kein Prüfungsfach.
Mit Hilfe dieser taktischen Vermeidung des Notenquotientendebuff Mathe, nahm mich dann auch eine renommierte Universität wie die Uni Heidelberg.
Dort schloss ich schließlich meinen Bachelor in Politikwissenschaften und
Geschichte ab.
Politikwissenschaften, um trotz Social Media zu verstehen, was politisch passiert und Geschichte im Nebenfach, um die richtigen Argumente gegen alle anderen Politikwissenschaftler zu haben, warum meine Sichtweise die in der Tendenz objektivste, reliabelste und valideste ist. Im heutigen politischen Diskurs, außerhalb der Wissenschaft, gewinnt schließlich ausschließlich der Superlativ.
Corona war blöd. Corona beendete meinen Versuch, den Master zu machen.
Seitdem arbeite ich daran, selbständig für meinen Lebensunterhalt zu sorgen, so auch meiner Tätigkeit als Autor, mal sehen, ob‘s was wird.

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